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  • Chronic Fatigue Syndrome - Chronisches Erschöpfungssyndrom - CFS

    Biologischer Marker für CFS gefunden?

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    Suhadolniks Bericht vor dem amerikanischen Kongreß am 16.Mai 1997 anläßlich einer Informationsveranstaltung zum Chronic Fatigue and Immune Dysfunction Syndrome (CFIDS) (auch bekannt als Chronic Fatigue Syndrome bzw. CFS)

    Unterstützt von: Senator Slade Gorton (R-WA), Senator Harry Reid (D-NV), Rep. John E. Porter (R-IL), and Rep Vic Fazio (D-CA)

    Veranstalter: The CFIDS Association of America, Charlotte, NC (800) 442-3437; <cfids@cfids.org> Washington, DC Contact: The Sheridan Group (202) 462-7288

    Mein Name ist Robert J. Suhadolnik. Ich bin Professor der Biochemie an der Temple University School of Medicine in Philadelphia. Ich möchte Ihnen zunächst für die Gelegenheit, vor Ihnen sprechen und Ihnen die Ergebnisse unserer Studien zum CFIDS darlegen zu dürfen, danken. Ich habe bereits 1995 an Informationsveranstaltungen des Kongresses teilnehmen können. Ich freue mich, wieder hier sein zu dürfen und Ihnen sagen zu können, daß wir Fortschritte gemacht haben.

    Die Ergebnisse, die Ich Ihnen heute vorstellen werde, wurden durch die Forschungsförderung der CFIDS Association of America und die harte Arbeit graduierter Studenten und der Mitarbeiter meines Laboratoriums ermöglicht.

    Heute möchte ich Ihnen CFIDS aus der Sicht des Labors vorstellen. Wie Sie wissen, ist CFIDS eine komplexe Erkrankung. Ich werde über biochemische Veränderungen referieren, die wir an weißen Blutkörperchen CFIDS-Erkrankter im Vergleich zu Gesunden gefunden haben. Diese Störungen betreffen das Immunsystem und können ebenfalls mit anderen Erkrankungen des Menschen in Beziehung stehen. Im Labor sagen wir: "Forschung ist wie ein Baby - Du weißt nicht, was aus ihm wird, bevor es ausgewachsen ist." Das läßt sich sicherlich auch über unsere Forschungsanstrengungen zum CFIDS sagen.

    Mein Labor war in den letzten 15 Jahren in Studien über virale Krankheiten und Krebs eingebunden. Neben der Förderung der CFIDS-Forschung durch die National Institutes of Health (NIH) erhalte ich eine Unterstützung der NIH für die Erforschung von AIDS.

    Unsere CFIDS-Forschung begann 1988, als ein Paket tiefgefrorener Proben weißer Blukörperchen (Lymphozyten) von Dr. Dan Peterson aus Incline Village, Nevada in Philadelphia eintraf. Diese Proben stammten von Dr. Petersons CFIDS-Patienten. Ich möchte beschreiben, was wir aus der Untersuchung dieser Proben und zwei weiteren, sich später anschließenden Studien - einer Pilotstudie und einer placebo-kontrollierten, multizentrischen Doppel-Blind-Studie zum CFIDS - gelernt haben. Außerdem werde ich unsere neuesten Ergebnisse vorstellen.

    Die Forschung meines biochemischen Labors richtet sich auf das Verständnis der eigentlichen antiviralen Abwehr beim Menschen. Dieser Mechanismus nennt sich 2,5-A-Synthetase/RNase L Pfad (Pathway). Wenn alle Komponenten dieses gegen Viren gerichteten Pfades korrekt arbeiten, kann der menschliche Organismus Virusinfektion effektiv kontrollieren. Unsere Studien belegen, daß verschiedene Komponenten dieses Mechanismus bei Menschen mit CFIDS nicht sauber funktionieren. Speziell der antivirale Pfad ist bei CFIDS-Kranken hochgeregelt bzw. überaktiv. Der Name des Moleküls, das diesen Mechanismus antreibt, lautet 2',5'-Oligoadenylattrimer 5'-Triphosphat. Bei einer solchen Bezeichnung versteht man, daß das Molekül kurz 2,5-A genannt wird.

    Was macht 2,5-A im menschlichen Organismus?
    2,5-A ist das Molekül, das die RNase L aktiviert, ein Enzym, das virale Ribonukleinsäuren (RNS) abbaut. Mit einer sauber funktionierenden RNase L können wir Virusinfektion überstehen. Allerdings haben wir ein Problem, wenn die RNase L defekt ist.

    In biochemischen Untersuchungen von Lymphozyten, die aus dem Vollblut isoliert wurden, können wir die spezifische Aktivität der RNase L messen. Aus einem Röhrchen Vollblut isolieren wir eine Lymphozytenprobe. Wenn wir die RNase L bei Menschen mit CFIDS messen, sehen wir etwas, was wir vorher noch nie sahen. Die RNase L dieser Patienten ist überaktiv. In der ersten Studie, die wir mit Dr. Peterson machten, hatten 13 von 15 CFIDS-Kranken diese überaktive RNase L.

    Lassen Sie mich Ihnen die Erkenntnisse, die wir in ausgedehnten CFIDS-Studien über die RNase L gewonnen haben, vorstellen. Wir haben Proben von mehr als 100 Menschen mit CFIDS aus dem ganzen Land untersucht.

    Was haben wir bei all diesen Untersuchungen über CFIDS gelernt?
    Wir haben gelernt, daß es bei CFIDS-Betroffenen einen Enzymdefekt gibt - einen Defekt der RNase L. Etwas Neues passierte bei CFIDS. Die RNase L war überaktiv, völlig anders, als wir es jemals vorher gesehen hatten, und wir haben die Aktivität der RNase L an Menschen mit AIDS, Multiple Sklerose, Lupus Erythematodes, humaner T-Zell-Leukämie und Nierenkrebs untersucht.
    Als wir dies beobachteten, waren wir verblüfft und wollten mehr wissen. Wir mußten eine biochemische Erklärung dafür finden, warum diese RNase L bei CFIDS-Patienten so überaktiv war.

    In welche Richtung sollten wir forschen?
    Ich sage meinen Studenten, daß es länger dauert, ein Experiment zu diskutieren und zu planen, als es durchzuführen. Die Planung ist die geistige Gymnastik der Forschung. In einem Lymphozytenextrakt sind tausende von Proteinen. Wir wollten nur eines davon anschauen - die RNase L.

    Wie war das zu erreichen?
    Um zu bestimmen, warum die RNase L bei Patienten mit CFIDS überaktiv ist, war es notwendig, im Labor eine neue Zwei-Stufen-Technologie zu entwickeln, um unsere Studien voranzubringen. Wir haben die Technik unter Nutzung ultravioletten Lichts und eines Antikörpers gegen menschliche RNase L entwickelt.

    Was haben wir mit Hilfe dieser neuen Technologien über CFIDS gelernt?
    In den gewonnenen Blutproben können wir das Vorhandensein und die Aktivität der RNase L messen. Wir haben eine weitere Überraschung in bezug auf CFIDS erlebt und bei allen CFIDS-Kranken eine neue Form der RNase L gefunden, eine kleinere Form der RNase L. Diese Studien wurden für die Publikation akzeptiert und werden im Journal of Interferon and Cytokin Research in wenigen Monaten erscheinen. Auf der Basis dessen, was wir bis jetzt wissen, liegt es nahe, darüber zu spekulieren, daß die Anwesenheit und die Aktivität der neuen Form der RNase L mit der Schwere der klinischen Symptome bei Menschen mit CFS korreliert.
    Ich freue mich, Ihnen berichten zu können, daß unsere Ergebnisse bestätigt wurden. Eine unabhängige Forschergruppe konnte bei CFIDS-Patienten, die von einem unabhängigen Arzt ausgewählt wurden, mit unseren biochemischen Techniken ebenfalls die kleinere Form der RNase L nachweisen. Wie bei unserer ursprünglichen Beobachtung bezüglich der überaktiven RNase L müssen wir uns fragen, wie es weitergehen soll. Zeit ist Geld. Wir werden Lymphozytenproben weiterer CFIDS-Kranker untersuchen. Wir haben soeben eine Überbrückungsförderung der NIH erhalten, um unsere Studien fortzusetzen und auf die fundamentalen biologischen Mechanismen des CFIDS auszudehnen. Die Resultate als möglichen Marker (biochemischen Nachweis) für CFIDS zu verwenden, ist im höchsten Maße aufregend. CFIDS kann, so wie es zur Zeit definiert ist, durchaus eine uneinheitliche Gruppe verschiedener Krankheiten repräsentieren. Bisher wurde keine einheitliche Pathophysiologie nachgewiesen. Ausgedehnte Studien, die zur Zeit durchgeführt werden, sollen feststellen, ob unsere Ergebnisse für alle CFIDS-Patienten gelten und ob mit diesen Befunden CFIDS-Patienten von Menschen mit klinisch ähnlichen Krankheiten unterscheidbar sind. Ebenso werden Langzeitstudien durchgeführt, die untersuchen sollen, ob die RNase L-Fehlfunktion, die bei CFIDS beobachtet wurde, für ein bestimmtes Stadium der Krankheit charakteristisch ist oder ob sie sich mit der Zeit verändert.

    Eine bemerkenswerte Gruppe von Menschen hat zu diesen Forschungsanstrengungen , die ich heute beschrieben habe, beigetragen. Zunächst möchte ich die CFIDS Association of America nennen, die unsere Untersuchungen finanziell unterstützt hat. Außerdem waren d ie Anstrengungen der Drs. Peterson und Cheney entscheidend für dieses Forschungsprojekt. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes forschende Ärzte, was die Diagnostik des CFIDS betrifft. Drittens sind die graduierten Studenten und Mitarbeiter meines Labors bemerkenswert engagierte Leute. Zudem ist diese Form der CFIDS-Forschung eine wundervolle Gelegenheit, hoffnungsvolle junge Wissenschaftler zu trainieren.

    Ich möchte den Mitgliedern des Kongreß für die Bewilligung der Förderung der externen CFIDS-Forschung der NIH danken. Ich bin überzeugt davon, daß diese Mittel einem guten Zweck dienen.
    Lassen Sie mich zum Schluß sagen, daß ich glücklich bin, seit 1965 ununterbrochen Forschungsgelder der NIH und der National Science Foundation zu erhalten. Ohne Zweifel ist diese CFIDS-Forschung die herausforderndste wissenschaftliche Aufgabe meiner Karriere.

    Warum?
    Weil sie ein breites Spektrum von Disziplinen berührt - Biochemie, Immunologie, Virologie und Molekularbiologie. CFIDS ist eine komplexe Erkrankung, die einen multidisziplinären Forschungsansatz erfordert.

    Was ist darüber hinaus notwendig?
    Auf der wissenschaftlichen Ebene selbstverständlich fortgesetzte und ausgedehnte Forschungsförderung. Es gibt jetzt eine "kritische Masse" von Wissenschaftlern, die sich des Problems CFIDS bewußt und an der Aufklärung der Entstehung und Behandlung interessiert sind.
    An diesem Punkt des Verständnisses des CFIDS wissen wir nicht, was wir nicht wissen. Ich möchte nachdrücklich zu gemeinsamen internationalen Projekten zur Erforschung des CFIDS ermutigen. Diese Krankheit beachtet keine Grenzen. Es gibt fundamentale Fragen, die noch unbeantwortet sind - wie bei allen neu auftretenden Krankheiten. Vor einigen Jahren lautet die Aufforderung der AIDS-Forscher, zur wissenschaftlichen Basis zurückzukehren. Dies läßt sich gleichermaßen auf CFIDS übertragen.

    Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

    Abstract der wissenschaftlichen Veröffentlichung

    Anmerkung:

    Wie Prof. Suhadolnik nachdrücklich betonte, müssen die hier vorgestellten Forschungsergebnisse in weiteren Studien erhärtet werden. Viele Fragen sind noch offen und die Interpretation der Befunde erweist sich als schwierig.
    Da es sich hier um ein noch nicht abgeschlossenes Forschungsprojekt handelt, stehen die vorgestellten Techniken und Untersuchungsverfahren derzeit NICHT für die klinische CFS-Diagnostik zur Verfügung.


    H.M.S.
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