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  • Chronic Fatigue Syndrome - Chronisches Erschöpfungssyndrom - CFS

    Die Fakten zum CFS

    Menue "über CFS"

    eine Broschüre der CDC
    Originaltitel: The Facts About Chronic Fatigue Syndrome, a CDC brochure
    deutsche Übersetzung: Hans-Michael Sobetzko
    Copies of the brochure can be obtained from the CFS Research Group,
    Mailstop A15,
    Centers for Disease Control and Prevention, Atlanta,
    GA 30333. Phone: (404) 639-1338.

    Überarbeitet: Juni 1997

    Inhaltsverzeichnis

    Hintergrund

    Warum heißt die Krankheit Chronic-Fatigue-Syndrom = chronisches Erschöpfungssyndrom?

    Habe ich kein CFS, wenn meine Symptome nicht in das veröffentlichte Schema der CFS-Definition passen?

    Wieviele US-Amerikaner haben CFS?

    Wer bekommt CFS?

    Welche Formen kognitiver Störungen sind mit CFS verbunden?

    Gibt es mit CFS verbundene Langzeit-und Spätfolgen?

    Wie ist die Prognose für CFS - ist eine Besserung zu erwarten?

    Ist CFS ansteckend?

    Gibt es Risiken bei einer Schwangerschaft?

    Wie wird CFS behandelt?

    Gibt es bestimmte Medikamente, die CFS-Kranke meiden sollten?

    Ist eine bestimmte Diät oder eine Vitamin-Ergänzung für CFS-Kranke empfehlenswert?

    Verbessert oder verschlimmert körperliche Bewegung die Beschwerden?

    Kann ich mit CFS weiter arbeiten (oder kann mein Kind mit CFS weiter die Schule besuchen)?

    Ist es für CFS-Kranke ungefährlich, Blut zu spenden?

    Was ist die Ursache des CFS?

    Wird CFS von bisher nicht bekannten humanen Retroviren verursacht?

    Verursacht das humane Herpesvirus Typ 6 (HHV-6) CFS?

    Verursachen Enteroviren CFS?

    Kann CFS mit Hilfe von Labortests diagnostiziert werden?

    Wie wird CFS diagnostiziert?

    Gibt es CFS-Spezialisten, die qualifizierter als andere niedergelassene Ärzte sind, diese Krankheit zu diagnostizieren?

    Kann CFS mit Hilfe von hochsensiblen molekularen Tests, die benutzt werden, um retrovirale DNA-Sequenzen nachzuweisen, diagnostiziert werden?

    Sollten bildgebende Untersuchungsverfahren bei der Diagnostik des CFS eingesetzt werden, wie zum Beispiel Kernspintomografie, PET oder SPECT?

    Bei CFS-Patienten wurden erhöhte Antikörpertiter gegen verschiedene Erreger, einschließlich EBV, Cytomegalie, HHV-6, Röteln, Enteroviren und Borrelien gefunden. Ist diese Beobachtung ein Zeichen dafür, daß CFS durch die Reaktivierung latenter Infektionen ausgelöst werden kann?

    Kann CFS auf der Basis eines auffälligen upright-Tilt-Table-Tests diagnostiziert werden?

    Haben CFS-Patienten weniger als die normale Anzahl natürlicher Killerzellen (NK-Zellen) oder ist deren Funktionsfähigkeit eingeschränkt?

    Sind bei CFS-Patienten Marker für eine T-Zell-Aktivierung auf einer größeren Zahl der Immunzellen nachweisbar?

    Kann der Nachweis eines erhöhten Zytokinspiegels Hinweis für ein CFS sein?

    Haben Allergiker ein höheres CFS-Risiko?



    Hintergrund


    Das chronische Erschöpfungssyndrom, oder CFS, ist durch ausgeprägte, lähmende Erschöpfung und Müdigkeit charakterisiert. Patienten mit CFS sind bereits nach geringfügigen körperlichen und geistigen Anstrengungen am Ende ihrer Kraft. Sie müssen ihr Leben häufig mit einem Bruchteil der Energie bzw. Aktivitäten, die sie vor Krankheitsbeginn hatten, bewältigen. Neben diesem Hauptsymptom berichten Betroffene generell über vielfältige unspezifische Symptome wie Schwäche, Muskelschmerzen, großes Schlafbedürfnis aber auch Schlaflosigkeit, Krankheitsgefühl, Fieber, Halsschmerzen, empfindliche Lymphknoten, Störungen des Konzentrationsvermögens und des Gedächtnisses, Depressionen und vieles mehr.

    CFS kann über Jahre bestehen.

    Die Ursache des CFS ist bisher nicht identifiziert und es gibt keinen spezifischen medizinischen Test, der das Vorliegen eines CFS beweisen könnte.

    Außerdem kann schwere Erschöpfung mit einem großen Spektrum klar definierter Erkrankungen einhergehen, wie zum Beispiel Krebs, Depressionen, Autoimmunkrankheiten, Hormonstörungen und subakute Infektionen. Da viele dieser Störungen behandelbar sind, müssen sie zunächst als Ursache der Erschöpfung ausgeschlossen werden.

    Obwohl die Diagnose nur in einem Ausschlußverfahren gestellt werden kann, ist CFS eine abgrenzbare, klinisch bedeutsame Störung, deren Ursache und Behandlung im Brennpunkt intensiver Forschungsbemühungen stehen.

    Berichte über CFS wurden auf wissenschaftlichen Kongressen und in seriösen medizinischen Fachzeitschriften präsentiert. Trotzdem ist der Umfang der verfügbaren Information noch relativ gering und viele Befunde sind weiter klärungsbedürftig. Zudem haben nicht ausreichend belegte Informationen über CFS bei Patienten wie Ärzten zu erheblicher Verwirrung im Hinblick darauf geführt, was Spekulationen und was wissenschaftlich nachgewiesene Tatsachen sind.

    Ziel dieser Broschüre ist es, Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zu geben und oft beobachtete Mißverständnisse aufzuklären.

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    Klinische Aspekte und statistische Zahlen



    1.) Warum heißt die Krankheit Chronic-Fatigue-Syndrom = chronisches Erschöpfungssyndrom?

    Über die Jahre wurden verschiedene Bezeichnungen vorgeschlagen, um CFS-ähnliche Krankheitsbilder zu beschreiben. Hierunter fielen zum Beispiel die Begriffe chronische Epstein-Barr-Viruskrankheit (chronisches Mononukleose-Syndrom), das CFIDS (chronic fatigue immune dysfunction syndrome), die epidemische Neuromyasthenie und die ME (myalgische Encephalomyelitis). 1988 einigte sich eine mit CFS befaßte Expertengruppe auf den Begriff "Chronic Fatigue Syndrome". Die Wissenschaftler stimmten darin überein, daß ein spezifischerer Name im Anbetracht der verfügbaren Erkenntnisse über diese Krankheit irreführend bzw. nur auf einen Teil der Symptome und Patienten anwendbar gewesen wäre. Zum Beispiel konnte bisher kein für CFS charakteristisches Muster von Immunstörungen gefunden werden und die meisten Patienten weisen auch keine Anzeichen für eine Encephalomyelitis, eine entzündliche Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks, auf. "Chronic Fatigue Syndrome" ist vielleicht nicht der ideale Begriff für das Beschwerdespektrum, das mit dieser Störung verbunden ist. Allerdings wäre, bevor nicht mehr über die dem CFS zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen bekannt ist, ein Namenswechsel ebenso verfrüht wie kontraproduktiv.

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    2.) Habe ich kein CFS, wenn meine Symptome nicht in das veröffentlichte Schema der CFS-Definition passen?

    Die 1988 veröffentlichte Falldefinition (Holmes et al, Ann Intern Med 108:3879) wurde von medizinischen Experten und Fachleuten des öffentlichen Gesundheitswesens bei einem Arbeitstreffen der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) erarbeitet. Diese Falldefinition war bewußt dazu ausgelegt, eine sehr eingegrenzte Patientengruppe zu Forschungszwecken zu definieren. Neuere Studien haben gezeigt, daß die 1988er Falldefinition nicht geeignet ist, CFS tatsächlich von anderen Arten ungeklärter Erschöpfung zu unterscheiden. Wissenschaftler, die an CFS arbeiten, müssen Patienten erfassen und untersuchen, welche die gleichen sorgfältig definierten Krankheitsmerkmale haben, um einen auslösenden Faktor, physiologische Auffälligkeiten oder charakteristische Laborbefunde identifizieren zu können. Zu diesem Zweck bietet die überarbeitete Falldefinition Forschern zusätzliche Leitlinien an, um CFS-Fälle und andere Fälle ungeklärter verlängerter bzw. chronischer Erschöpfung in Untergruppen einzuteilen.
    Trotzdem sind die Möglichkeiten, die Diagnose "CFS" zuverlässig zu stellen, begrenzt. Aus diesem Grund bleibt, auch wenn die Diagnose CFS nicht gestellt werden konnte, offen, ob ein Patient diese Krankheit hat.

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    3.) Wieviele US-Amerikaner haben CFS?

    Ausgehend von den Ergebnissen der ersten Jahre einer Kontrollstudie, die auf den Berichten niedergelassener Ärzte basiert, schätzen die CDC die minimale Häufigkeit (minimum prevalence rate) des CFS unter erwachsenen Amerikanern ( 18 Jahre und älter, standardisiert nach Alter, Geschlecht und Rasse) auf 4-10 Fälle pro 100.000. Andere Untersucher berichteten über wesentlich höhere Raten. Die CDC haben gerade die erste Phase einer populationsbezogenen (community-based) Studie abgeschlossen, um die Häufigkeit (Prävalenzrate) genauer zu bestimmen. Obwohl einige Medienberichte andeuten, daß mehr als 5 Millionen Personen in den USA unter CFS leiden könnten, gibt es hierfür keinen wissenschaftlichen Beleg.

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    4.) Wer bekommt CFS?

    In den USA sind in annähernd 80% der diagnostizierten Fälle Frauen betroffen, die meisten davon Weiße. Die Mehrzahl der Patienten ist zwischen 25 und 45 Jahren alt. Allerdings ist CFS in einer großen Spanne von Altersgruppen diagnostiziert worden, bei Heranwachsenden und Angehörigen unterschiedlicher Rassen. Die Diagnose CFS könnte in einigen Gruppen kulturelle Unterschiede widerspiegeln bzw. Faktoren wie die Inanspruchnahme bzw. den Zugang zu medizinischer Betreuung. Umsichtig geplante Kontrollstudien sind noch erforderlich, um ein klares Bild der Verteilung in der Bevölkerung zu gewinnen. In ihren laufenden Studien haben die CDC Schritte unternommen, um kulturelle Unterschiede und weitere Gesichtspunkte, die zu einer Mindererfassung von CFS in der nichtweißen Bevölkerung geführt haben könnten, zu untersuchen.

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    5.) Welche Formen kognitiver Störungen sind mit CFS verbunden?

    CFS-Patienten berichten gewöhnlich über ein oder mehrere Symptome kognitiver Beeinträchtigung, einschließlich Verwirrtheitsgefühl (confusion), Konzentrations-und Denkschwierigkeiten oder Vergeßlichkeit. Diese Symptome werden von Betroffenen häufig als die einschränkendsten Beschwerden des CFS angesehen.

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    6.) Gibt es mit CFS verbundene Langzeit-und Spätfolgen?

    Für mit CFS verbundene Langzeitschäden liegen keine wissenschaftlichen Beweise vor. Es gibt Einzelfallberichte über erhöhte Krebsraten, Multiple Sklerose und andere Krankheiten unter CFS-Patienten, jedoch ist keine dieser Behauptungen wissenschaftlich belegt. Anders als Krankheiten mit Immundefekten, wie zum Beispiel AIDS, ist CFS nicht mit opportunistischen Infektionen assoziiert. Ebenfalls unbelegt sind Behauptungen, CFS-Patienten seinen selbstmordgefährdeter. Auch hier liegen keinerlei Daten darüber vor, daß die Selbstmordrate von CFS-Patienten höher ist als die der Gesamtbevölkerung.

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    7.) Wie ist die Prognose für CFS - ist eine Besserung zu erwarten?

    Über den klinischen Verlauf des CFS ist wenig bekannt. Hier liegt einer der Forschungsschwerpunkte der CDC und der NIH (National Institutes of Health). Der Verlauf dieser Erkrankung variiert sehr stark. Einige Patienten erholen sich mit der Zeit völlig, während der Zustand anderer sich kontinuierlich verschlechtert. Häufig nimmt die Krankheit einen zyklischen Verlauf, bei dem sich Phasen der Krankheit mit Phasen relativer Gesundheit abwechseln. Einige Patienten erholen sich bis zu einem gewissen Grad, genesen aber nicht vollständig.

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    8.) Ist CFS ansteckend?

    Es gibt keine veröffentlichten Erkenntnisse darüber, daß CFS durch soziale oder intime Kontakte übertragen werden kann. Studien an Patientengruppen und ihren Kontaktpartnern haben keinerlei Hinweise für eine Ansteckung von Mensch zu Mensch erbracht. Berichte, daß Haustiere an der Übertragung von CFS beteiligt sein oder sich die Krankheit selbst zuziehen könnten, sind unbewiesen.

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    9.) Gibt es Risiken bei einer Schwangerschaft?

    Einige behandelnde Ärzte haben informell festgestellt, daß die CFS-Beschwerden während der Schwangerschaft rückläufig sind. Es gibt keine kontrollierten Studien, daß CFS auf einen Fetus übetragen werden kann, noch, daß irgendwelche Risiken für die Mutter bestehen. Vor allem gibt es keine wissenschaftliche Begründung für den Abbruch einer Schwangerschaft wegen irgendwelcher mit CFS verbundenen Risiken.

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    10.) Wie wird CFS behandelt?

    Ohne die Ursachen von CFS zu kennen, ist es schwierig, effektive Behandlungsformen zu finden. Medikamente, die bei CFS verschrieben werden, sollen in der Regel die Beschwerden lindern und stellen keine ursächliche Behandlung dar. Dagegen gibt es eine Anzahl von möglicherweise gefährlichen Behandlungen und Tests, deren Wirksamkeit unbewiesen ist und die CFS-Patienten zu immens hohen Kosten angeboten werden. Einige dieser Medikamente und Verschreibungen, die häufig von CFS-Patienten angewendet werden, finden sich in der Common Treatments for CFS section der CDC Homepage zum CFS.

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    11.) Gibt es bestimmte Medikamente, die CFS-Kranke meiden sollten?

    In den meisten Fällen sollten Patienten dem Rat ihres behandelnden Arztes folgen. Allerdings sind einige Behandlungsformen, wie zum Beispiel Cyclophosphamid, Azathioprin, Methotrexat und Hydrogen-Peroxid-Injektionen potentiell lebensgefährlich, ihr Nutzen bei CFS ist völlig unbewiesen und sie sollten daher unbedingt gemieden werden.
    In Zweifelsfällen kann man sich an die Ärztekammern, Universitäten oder andere niedergelassene Ärzte wenden.

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    12.) Ist eine bestimmte Diät oder eine Vitamin-Ergänzung für CFS-Kranke empfehlenswert?

    Es gibt keine Studien, die belegen, daß Diät oder Vitamin-Ergänzungen die Beschwerden reduzieren oder CFS kurieren können. Eine Liste der diätetischen Ergänzungstoffe und Vitamine, die allgemein von CFS-Patienten benutzt werden, befindet sich im Abschnitt "Common Treatments for CFS" der CDC Homepage zum CFS.

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    13.) Verbessert oder verschlimmert körperliche Bewegung die Beschwerden?

    Körperliche Bewegung, ebenso wie andere körperlich oder geistig anstrengende Aktivitäten, können die Erschöpfung oder andere mit CFS verbundene Beschwerden verstärken. Patienten berichten darüber, daß der Effekt körperlicher Anstrengung häufig erst nach 1 bis 2 Tagen spürbar wird. Zur Zeit laufen Studien, welche die Ursache und Charakteristik dieses Phänomens untersuchen sollen.
    Allerdings ist auch klar, daß der Mangel an körperlicher Bewegung definitiv zu einem Verlust der verbliebenen körperlichen Leistungsfähigkeit führt (Dekonditionierung). Deshalb wird generell eine regelmäßige sanfte bis moderate körperliche Bewegung, deren Umfang durch die individuelle Toleranz und Leistungsfähigkeit bestimmt wird, empfohlen.

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    14.) Kann ich mit CFS weiter arbeiten (oder kann mein Kind mit CFS weiter die Schule besuchen)?

    CFS-Patienten erleben eine Vielzahl potentiell behindernder Beschwerden, wie z.B. Erschöpfung, Gelenk-und Muskelschmerzen oder Konzentrationsschwierigkeiten, die ihre Leistung in Beruf oder Schule beeinflussen können. Es liegen jedoch keine Anhaltspunkte dafür vor, daß CFS von Mensch zu Mensch übertragen wird. Deshalb gibt es, sofern Sie sich dazu imstande fühlen, keinen Grund, der gegen die Fortführung der Arbeit spricht.

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    15.) Ist es für CFS-Kranke ungefährlich, Blut zu spenden?

    Da die Ursachen des CFS unbekannt sind, und da CFS ein gemeinsamer Symptomenkomplex verschiedener Ursachen sein könnte, gibt es zur Zeit keine formellen Empfehlungen oder Forderungen in bezug auf die Spende biologischer Produkte, wie z.B. Blut, durch CFS-Patienten. Es gibt keine bekannten Fälle von Personen, die CFS über Bluttransfusionen erwarben. Allgemein aber gilt, daß Menschen, die in keiner guten gesundheitlichen Verfassung sind, einschließlich CFS-Patienten, von einer Blutspende oder der Spende von Blutprodukten Abstand nehmen sollten.
    Wenn bei Ihnen der Verdacht auf ein CFS oder eine ähnliche Störung besteht, sollten Sie die Mitarbeiter des Blutspendeteams darüber informieren. Es ist möglich, daß die Blutbank spezielle Regeln für CFS und vergleichbare Krankheiten hat.

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    16.) Was ist die Ursache des CFS?

    Die Ursache des CFS wurde bisher nicht identifiziert. Allerdings gibt es verschiedene Theorien. Von zahlreichen bekannte Virusarten weiß man, daß sie während einer akuten Infektion schwere Erschöpfungszustände verursachen. Obwohl einige Viren, unter anderem das Epstein-Barr-Virus, gelegentlich aktive chronische Infektionen, die zu anhaltenden Erschöpfungszuständen führen, verursachen, konnte kein Virus sicher mit CFS in Verbindung gebracht werden. Eine Hypothese ist, daß ein Virus, Stress oder ein anderer vorübergehender traumatischer Zustand das Immunsystem chronisch aktivieren könnten. Dieser Hypothese folgend würde das Immunsystem, daß sich üblicherweise nach der Bekämpfung eines Infektes in den Ruhezustand zurückversetzt, auch nach Beendigung der auslösenden Situation aktiviert bleiben. Als Resultat wären dann hohe Konzentrationen immunaktivierender Faktoren, von denen einige dafür bekannt sind, in hohen Dosen Erschöpfung zu verursachen, in der Blutbahn. Andere Theorien beziehen vermutete Störungen des Hormonsystems ein. Einige Erschöpfungszustände könnten durch psychologische Faktoren ausgelöst worden sein. Ein weitere Möglichkeit ist, daß eine bisher unbekannte einzelne Ursache zum CFS führt.

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    17.) Wird CFS von bisher nicht bekannten humanen Retroviren verursacht?

    Ein Bericht in der wissenschaftlichen Literatur beschreibt mögliche retrovirale DNA-Sequencen in Lymphozyten von CFS-Patienten. In einer gesunden Kontrollgruppe ließ sich dieser Befund nicht erheben. Trotz intensiver Anstrengungen konnten mehrere Laboratorien die Ergebnisse dieser Studie nicht bestätigen. Vereinzelte Meldungen, CFS werde durch Spuma-Viren verursacht, sind nicht belegt. Auch besteht keinerlei Beziehung zu einem kürzlich beschriebenen, seltenen Krankheitsbild, dem HIV-negativen AIDS. Es gibt auch keine Anhaltspunkte dafür, daß HIV-1 der Verursacher von CFS ist. Reduzierte CD4-Raten werden nur selten bei CFS-Patienten beobachtet. Für eine lebensbedrohliche oder klinisch bemerkenswerte Beeinträchtigung des Immunsystems finden sich keine Hinweise.
    Eine retrovirale Beteiligung bei CFS ist unwahrscheinlich, obwohl in dieser Richtung weiter geforscht wird.

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    18.) Verursacht das humane Herpesvirus Typ 6 (HHV-6) CFS?

    HHV-6 ist eine sehr häufige Herpesvirus-Infektion, die bei Kindern Roseola (exanthema subitum) auslöst und letztlich 95% aller Personen über 1 Jahr betrifft. Wie alle Herpesviren bleibt HHV-6 bei infizierten Personen latent vorhanden und kann periodisch reaktiviert werden. Einige Studien berichten über wenig überzeugende Hinweise auf eine HHV-6 Reaktivierung bei CFS-Patienten, andere fanden keine Korrelation zwischen HHV-6-Infektion und CFS. In jedem Fall ist eine HHV-6-Infektion zum Nachweis eines CFS ungeeignet, da dieses Virus nahezu in der gesamten Bevölkerung vorkommt.

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    19.) Verursachen Enteroviren CFS?

    Wie Herpesviren können auch Enteroviren schwere Erschöpfung und Muskelschwäche verursachen. Enteroviren wurden von verschiedenen Forschergruppen im Hinblick auf eine Beteiligung am CFS untersucht. Wie bei anderen potentiellen viralen Ursachen konnte auch hier keine enge Beziehung zwischen einer kürzlich stattgefundenen Enterovirus-Infektion und CFS gefunden werden.

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    20.) Kann CFS mit Hilfe von Labortests diagnostiziert werden?

    Es gibt keinen diagnostischen Test für CFS. Zur Zeit sind Labortests nur sinnvoll, um andere Ursachen von Erschöpfung auszuschließen. Gleiches gilt für serologische Tests auf bestimmte Viren. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen haben Unterschiede zwischen Gruppen von CFS-Patienten und gesunden Kontrollgruppen dokumentiert, aber diese Unterschiede werden nicht konstant beobachtet und die Testergebnisse zwischen einzelnen Patienten und Kontrollpersonen überschneiden sich beträchtlich. Mit anderen Worten, die Testwerte eines zufällig ausgewählten CFS-Patienten und einer ebenfalls zufällig ausgewählten gesunden Person können beide gleichermaßen im Normalbereich des jeweiligen Tests liegen.

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    21.) Wie wird CFS diagnostiziert?

    Die Diagnose "CFS" wird zur Zeit auf der Basis einer CFS-spezifischen Krankengeschichte und des systematischen Ausschlusses anderer möglicher Ursachen gestellt. Ein Patient muß zunächst über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten an einer schwerwiegenden Erschöpfung und anderen charakteristischen Symptomen leiden. Um die Diagnose zu vervollständigen, muß ein Arzt eine Vielzahl definierter und oft gezielt behandelbarer Krankheiten durch eine Reihe von Routinetests ausschließen. Unter
    Empfehlungen zur Ausschlußdiagnostik finden sich Beispiele für Labortests, die schwere Erschöpfungszustände verursachende Krankheiten ausschließen sollen.

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    22.) Gibt es CFS-Spezialisten, die qualifizierter als andere niedergelassene Ärzte sind, diese Krankheit zu diagnostizieren?

    Einige Ärzte sind mit CFS vertrauter als andere, aber jeder zugelassene Arzt sollte in der Lage sein, CFS zu diagnostizieren. Personen, die vermuten, an CFS erkrankt zu sein, sollten einen Arzt ihres Vertrauens aufsuchen, der CFS kennt oder zumindest bereit ist, sich damit auseinanderzusetzen. Wenden Sie sich an das nächste universitäre medizinische Zentrum, wenn Sie Schwierigkeiten haben, einen mit CFS vertrauten Arzt zu finden.

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    23.) Kann CFS mit Hilfe von hochsensiblen molekularen Tests, die benutzt werden, um retrovirale DNA-Sequenzen nachzuweisen, diagnostiziert werden?

    Nein. Ein veröffentlichter Bericht wurde irrtümlich so interpretiert, als könne CFS mit Hilfe einer PCR (Polymerase-Kettenreaktion) diagnostiziert werden. Dieser Test sollte nach humanen T-Zell-lymphotropen-Viren-TypII (HTLV-II)-ähnlichen DNA-Sequenzen in den Lymphozyten von Patienten suchen. Neuere Studien haben diese Ansicht allerdings nicht unterstützen können. Dieser teure Suchtest ist daher bei der Diagnostik des CFS nicht hilfreich.

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    24.) Sollten bildgebende Untersuchungsverfahren bei der Diagnostik des CFS eingesetzt werden, wie zum Beispiel Kernspintomografie, PET oder SPECT?

    Mehrere Beiträge in seriösen klinischen Fachzeitschriften berichteten über deutliche Veränderungen bei Kernspin-und SPECT-Untersuchungen des Gehirns. Allerdings konnten die beschriebenen Ergebnisse nicht durch entsprechende Nachuntersuchungen untermauert werden und identifizierten nicht bei allen Patienten Auffälligkeiten. Da die Wertigkeit der Befunde nicht abgeschätzt werden kann, sind diese kostspieligen Untersuchungen für die klinische Diagnostik des CFS ungeeignet.

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    25.) Bei CFS-Patienten wurden erhöhte Antikörpertiter gegen verschiedene Erreger, einschließlich EBV, Cytomegalie, HHV-6, Röteln, Enteroviren und Borrelien gefunden. Ist diese Beobachtung ein Zeichen dafür, daß CFS durch die Reaktivierung latenter Infektionen ausgelöst werden kann?

    Einige Viren, vor allem Herpesviren, sind in der Lage, in ihrem Wirt einen verlängerten Ruhezustand einzunehmen, den man als latente Infektion bezeichnet. Solche Viren reaktivieren sich periodisch und stimulieren dementsprechend das Immunsystem erneut. Veröffentlichte Studien berichteten von erhöhten Antikörpertitern gegen diese Erreger bei CFS-Patienten im Vergleich zu Kontrollpersonen. Allerdings überlappen sich die individuellen Werte einzelner Patienten mit denen der Kontrollen erheblich, was bedeutet, daß derartige Tests nicht zur Diagnostik des CFS verwendet werden können. Frühere Studien ließen vermuten, daß es eine Beziehung zwischen hohen Antikörpertitern gegen EBV (das bekannt dafür ist, Erschöpfung zu verursachen) und CFS besteht. Allerdings haben neuere Untersuchungen belegt, daß es keinen Zusammenhang zwischen erhöhten EBV-Titern und CFS gibt. Röteln, Enteroviren und Borrelien können keine latente Infektion verursachen, sind aber in der Lage, über lange Perioden in einem infizierten Organismus zu überleben.
    Letztlich bleibt festzustellen, daß in der Gesamtbevölkerung Antikörpertiter gegen Viren, die eine latente Infektion verursachen können, mit einer großen Schwankungsbreite meßbar sind. Aus diesem Grund ist der Begriff "erhöhter Antikörpertiter" schwierig zu definieren. Serologische Tests auf Erreger, die latente oder persistierende Infektionen verursachen, haben daher keinen Wert für die Diagnostik des CFS.

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    26.) Kann CFS auf der Basis eines auffälligen Tilt-Table-Tests diagnostiziert werden?

    Anmerkung: Tilt-Table-Test
    Bei diesem Test werden Patienten auf einem Untersuchungstisch, der in verschiedenen Ebenen geneigt werden kann, fixiert. Dann wird der Blutdruck mehrmals bei verschiedenen Neigungswinkeln des Tisches vor und nach der Gabe von Medikamenten, die den Herzschlag beschleunigen, gemessen.


    Eine kürzlich durchgeführte Untersuchung chronisch erschöpfter Patienten an der John Hopkins Universität wies bei 22 von 23 CFS-Kranken eine abnormale Reaktion (neurally mediated hypotension = nerval vermittelter niedriger Blutdruck) auf einen dreistufigen Tilt-Table-Test nach. Im Gegensatz dazu zeigten nur 4 von 14 Kontrollpersonen eine auffällige Reaktion. Die gleiche Forschergruppe hat bereits früher berichtet, ein nerval vermittelter niedriger Blutdruck könne zur Entwicklung verlängerter Erschöpfung führen. Bei 16 von 21 Patienten, die an der Tilt-Table-Studie teilnahmen, führte die Behandlung mit elektrolytregulierenden Medikamenten oder Betablockern zu einer kompletten Erholung oder einer Verbesserung der Symptomatik.
    Diese erstaunliche Studie bedarf noch der Bestätigung durch andere Forscher.

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    Auffälligkeiten des Immunsystems

    27.) Haben CFS-Patienten weniger als die normale Anzahl natürlicher Killerzellen (NK-Zellen) oder ist deren Funktionsfähigkeit eingeschränkt?

    Einige Untersucher berichteten über eine niedrigere Zahl von NK-Zellen oder eine niedrigere Aktivität dieser Zellen bei CFS-Patienten im Vergleich zu Kontrollgruppen. Andere Forscher konnten keinerlei Abnormalitäten der NK-Zellen entdecken. Keine Studie über NK-Zellen bei CFS-Patienten konnte jemals einen Befund definieren, der alle Patienten gleichermaßen hätte identifizieren können. Wie bei anderen experimentellen Versuchen schwanken auch die gemessenen Werte der NK-Zell-Aktivität erheblich unter Patienten und Kontrollpersonen, und individuelle Testergebnisse überlappen sich beträchtlich. Folglich konnten keine klar abnormen Werte alle (oder die meisten) Kranken von allen (oder den meisten) Personen der Kontrollgruppe trennen.

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    28.) Sind bei CFS-Patienten Marker für eine T-Zell-Aktivierung auf einer größeren Zahl der Immunzellen nachweisbar?

    Eine Studie fand bei CFS-Patienten, die sehr schwer erkrankt waren, in der CD8-T-Zell-Untergruppe eine erhöhte Zahl von Zellen mit den Aktivierungsmarkern CD38 und HLADR. Dieser Befund erwies sich für einen großen Teil der CFS-Patienten (90%) als zutreffend, aber nur für einen geringen Anteil der gesunden Kontrollgruppe (10%). Allerdings werden ähnliche Veränderung der Aktivierungsmarker bei verschiedenen akuten viralen Infektionen beobachtet und sind auch bei jeder aktiven Infektion zu erwarten. Daher muß sich die Nützlichkeit der Bestimmung von Aktivierungsmarkern bei der Diagnostik des CFS noch erweisen.

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    29.) Kann der Nachweis eines erhöhten Zytokinspiegels Hinweis für ein CFS sein?

    Eine der interessanteren Theorien über die Ursache des CFS ist, daß eine Anzahl möglicher "Auslöser" zu einer chronischen Aktivierung des Immunsystems der betroffenen Patienten führen könnte. Wenn diese Theorie stimmt, müßten ein oder mehrere Zytokinspiegel von CFS-Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen erhöht sein. Zum Interleukin 1 gibt es beispielsweise entsprechende Einzelfallberichte. Es ließ sich aber kein charakteristisches Muster der Serum-Zytokine nachweisen.

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    30.) Haben Allergiker ein höheres CFS-Risiko?

    Mehrere Studien belegen, daß einige, allerdings bei weitem nicht alle CFS-Patienten in ihrer Krankengeschichte Allergien haben. Allergien könnten einer der für CFS disponierenden Faktoren sein, aber sicherlich nicht der einzige, da nicht alle CFS-Kranken unter Allergien leiden.

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